Wirtschaft fordert Tempo: Bürokratieabbau jetzt entscheidend
04.02.2026
Wenn die bayerischen Industrie- und Handelskammern sowie die Handwerkskammern zu einem Gespräch einladen, geschieht dies mit einer klaren Botschaft: Die Unternehmen im Freistaat stehen zunehmend unter bürokratischem Druck. Während gesetzliche und administrative Anforderungen wachsen, wird spürbar, wie diese Vorgaben den betrieblichen Alltag prägen und wertvolle Ressourcen binden.
Für MdL Walter Nussel, Beauftragter für Bürokratieabbau, war das Treffen daher ein wichtiges Signal. Die Kammern, langjährige und verlässliche Beobachter wirtschaftlicher Entwicklungen, zeichneten ein deutliches Bild: Viele Unternehmen erreichen inzwischen Belastungsgrenzen, an denen Bürokratie Innovation und Investitionen hemmt.
Digitale Verfahren und Praxis-Checks als entscheidende Stellschrauben
Im offenen Austausch wurde schnell klar, wie eng politische Rahmenbedingungen und unternehmerische Realität verknüpft sind. Vertreterinnen und Vertreter der IHKs und HWKs schilderten, dass verlässliche, digitale und zügige Verfahren für Unternehmen heutzutage unverzichtbar sind.
Verzögerungen in Genehmigungsprozessen und Dokumentationspflichten haben unmittelbare Auswirkungen auf Personal, Investitionen oder den Start neuer Projekte. Besonders breit unterstützt wurden daher die in Bayern vom Beauftragten für Bürokratieabbau etablierten Praxis-Checks. Sie helfen, neue Regelungen frühzeitig auf ihre Praxistauglichkeit zu prüfen.
Nussel betonte, dass er diese Rückmeldungen unmittelbar in seine laufende Arbeit einfließen lässt – mit dem klaren Ziel, bürokratische Fehlentwicklungen zu vermeiden.
Bürokratische Belastungen und europäische Vorgaben
Deutlich wurde im Gespräch außerdem, wie Dokumentations-, Nachweis- und Statistikpflichten Kapazitäten binden, die im betrieblichen Alltag dringend benötigt würden. Vor allem europäische Vorgaben wie die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) oder die EU-Wiederherstellungsverordnung (NRL) wurden mehrfach als besondere Herausforderungen genannt.
Gerade kleine und mittlere Unternehmen stehen hier vor Unsicherheiten: Was auf europäischer Ebene sinnvoll erscheint, lässt sich in der Praxis oft nur schwer umsetzen. Wichtig sei daher – so die einhellige Meinung – praxistaugliche, digitalisierte und verlässliche Umsetzungswege zu schaffen, um Wettbewerbsfähigkeit und Planungssicherheit zu gewährleisten.
„Im Handwerk bleibt die Bürokratie in der Regel am Betriebsinhaber selbst hängen. Bürokratieabbau bedeutet deshalb eine dringend notwendige Befreiung für die eigentlichen Aufgaben einer Handwerkerinn oder eines Handwerkers. Das Handwerk fordert deshalb die deutliche Vereinfachung der Anforderungen bzw. noch besser, eine spürbare Ausdünnung des Regelwerks. Wir sind hier gerne mit Vorschlägen behilflich“, betonte Dr. Frank Hüpers, Hauptgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Handwerkskammern.
Mehr Mut zur Erprobung: Regionale Spielräume nutzen
Besonders rege diskutiert wurde die Frage, wie die Verwaltung künftig mutiger neue Wege gehen kann. Gesprächsteilnehmende warben dafür, einzelnen Regionen oder kommunalen Verbünden größere Handlungsspielräume einzuräumen. Pilotprojekte könnten helfen, digitalisierte oder vereinfachte Verfahren direkt im Alltag zu testen und erfolgreiche Modelle anschließend bayernweit auszurollen. „Nichts belastet die bayerischen Unternehmen – quer durch alle Branchen und unabhängig von der Firmengröße – so sehr wie die erdrückende Bürokratielast. Das beweisen auch wieder die aktuellen Ergebnisse unserer Unternehmensbefragung in Bayern zum Jahresbeginn 2026. Die bayerischen IHKs unterstützen daher jeden neuen und mutigen Schritt, endlich den Strudel an Bürokratie zu stoppen“, so BIHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Manfred Gößl.
Gemeinsame Verantwortung für wirksamen Bürokratieabbau
Am Ende des Treffens stand kein Katalog neuer Maßnahmen, sondern ein klares Bekenntnis zur Zusammenarbeit. Alle Beteiligten waren sich einig: Bürokratieabbau gelingt nur dann, wenn politische Entscheidungen eng an die Erfahrungen der Betriebe geknüpft sind.
MdL Walter Nussel unterstrich die Bedeutung dieses Austauschs: Nur durch kontinuierliche Rückmeldungen aus Wirtschaft und Verwaltung lassen sich Hürden abbauen und spürbare Entlastungen erzielen. Der Schulterschluss mit den IHKs und HWKs bleibt für ihn dabei ein zentraler Baustein, um das gemeinsame Ziel eines modernen und effizienten Verwaltungshandelns weiter voranzubringen.

