Wo Bürokratie den Alltag bestimmt
25.03.2026
Beim heutigen Austausch mit den UnternehmerFrauen im Handwerk wurde deutlich, wie stark bürokratische Vorgaben den Arbeitsalltag kleiner und mittlerer Betriebe prägen.
In einer offenen und vertrauensvollen Atmosphäre schilderten die Teilnehmerinnen konkrete Situationen, in denen Regelungen und Nachweispflichten erheblichen zusätzlichen Aufwand verursachen – häufig weit entfernt von der eigentlichen Wertschöpfung.
Dokumentationspflichten als Dauerbelastung
Ein zentrales Thema waren umfangreiche Dokumentations- und Nachweispflichten. Besonders eindrücklich waren Berichte aus dem Baubereich: Ordner voller Lohnnachweise, Kontoauszüge und weiterer Unterlagen gehören hier vielfach zum betrieblichen Alltag.
Ähnliche Belastungen zeigen sich auch in anderen Gewerken. So wurde aus einer Metzgerei berichtet, dass EU‑Zulassungen dazu führen, dass selbst der Einbau von Fußböden ausschließlich durch zertifizierte Fachfirmen erfolgen darf, inklusive detaillierter Dokumentationen.
Auch die Einführung der E‑Rechnung war Thema des Austauschs. Grundsätzlich wird sie von den Betrieben begrüßt. In der Praxis bestehen jedoch weiterhin Unsicherheiten bei Umsetzung, Zuständigkeiten und Übergangsregelungen. Erschwerend kommt hinzu, dass bislang nicht alle kommunalen Auftraggeberinnen und Auftraggeber mit der E‑Rechnung arbeiten.
Grenzüberschreitende Tätigkeiten und komplexe Verfahren
Weitere bürokratische Hürden entstehen bei Auslandseinsätzen, etwa durch das Verfahren zur A1‑Bescheinigung bei Tätigkeiten in Österreich oder Frankreich. Obwohl die Anforderungen rechtlich notwendig sind, werden sie von vielen Betrieben als schwer nachvollziehbar, zeitaufwendig und fehleranfällig empfunden.
Steuern, Sozialversicherung und Prüfungen
Kritisch angesprochen wurden zudem steuerliche und sozialversicherungsrechtliche Vorgaben. Sonderprüfungen, Fragen der Netto‑Lohnoptimierung oder unterschiedliche Auslegungen durch Finanzverwaltung und Sozialversicherungsträger schaffen zusätzliche Unsicherheit. Der Wunsch nach klaren, einheitlichen und digital unterstützten Verfahren war deutlich spürbar.
In diesem Zusammenhang wurde mehrfach das Prinzip „Once only“ gefordert: Daten, die der Verwaltung bereits vorliegen, sollten nicht mehrfach eingereicht werden müssen. Gerade kleinere Betriebe empfinden es als erhebliche Belastung, identische Informationen an verschiedene Stellen übermitteln zu müssen.
Vertrauen, Tonalität und strukturelle Rahmenbedingungen
Ein wiederkehrendes Thema war die Art und Weise, wie staatliche Anforderungen kommuniziert werden. Die Androhung von Bußgeldern wird von vielen Betrieben als falsches Signal wahrgenommen. Stattdessen wurde die Bedeutung einer partnerschaftlichen und vertrauensvollen Kommunikation betont.
Darüber hinaus wiesen die Teilnehmerinnen auf strukturelle Rahmenbedingungen hin, die zusätzlichen Aufwand verursachen, etwa marode Infrastruktur, Umwege oder unklare Zuständigkeiten. Auch kleinere Regelungsbereiche, wie Dokumentationspflichten bei Fahrtenbüchern, wurden als Beispiele für unverhältnismäßige Anforderungen genannt.
Bürokratieabbau braucht den Dialog mit der Praxis
Der Austausch hat erneut gezeigt, wie wichtig der direkte Dialog mit der Praxis ist. Bürokratieabbau bedeutet nicht den Abbau von Standards, sondern klare, verständliche und verhältnismäßige Regelungen. Rückmeldungen aus dem Handwerk sind ein zentraler Maßstab für die Arbeit des Beauftragten der Bayerischen Staatsregierung für Bürokratieabbau, MdL Walter Nussel.
MdL Walter Nussel begleitet die UnternehmerFrauen im Handwerk bereits seit vielen Jahren und nimmt regelmäßig an deren Mitgliederversammlungen teil. Dabei setzt er sich kontinuierlich dafür ein, die Anliegen der Unternehmerinnen aufzunehmen und sie gegenüber Politik und Verwaltung zu vertreten. Dieses langfristige Engagement wurde im Austausch ausdrücklich gewürdigt.
Am Ende des Treffens erhielt MdL Walter Nussel zwar keinen blühenden Blumenstrauß. Dafür aber einen breit gefächerten Strauß an konkreten Bürokratie‑Themen, die die UnternehmerFrauen im Handwerk eingebracht haben und die nun weiterverfolgt werden.

