Handwerk braucht praxistaugliche Regeln
05.03.2026
Im Mittelpunkt eines Kamingesprächs im Rahmen der diesjährigen Fachtage des Maler- und Lackierhandwerks Bayern und Baden-Württemberg in Dinkelsbühl standen die wachsenden bürokratischen Anforderungen, die insbesondere kleine Handwerksbetriebe zunehmend belasten. Der direkte Austausch machte deutlich, wo Regelungen im Alltag an ihre Grenzen stoßen und wo dringend Vereinfachungen notwendig sind.
Datenschutz und Statistik mit Augenmaß
Ein zentrales Thema der Diskussion war der Datenschutz. Viele Betriebe sehen sich hier mit überzogenen Dokumentations‑ und Nachweispflichten konfrontiert, die kaum noch in einem angemessenen Verhältnis zum tatsächlichen Nutzen stehen.
Walter Nussel unterstrich, dass sich Bayern auf Bundesebene für ein Moratorium bei Statistik‑ und Datenschutzpflichten einsetzt. Ziel ist es, unverhältnismäßige Belastungen zu stoppen und wieder zu klaren, verständlichen und praxistauglichen Vorgaben zurückzukehren. Doppel‑ und Mehrfachabfragen sollen vermieden werden nach dem Vorbild skandinavischer Länder wie Schweden, die bereits auf schlanke und effiziente Datennutzung setzen.
Arbeitgeberpflichten vereinfachen
Auch die Entlastung der Arbeitgeberpflichten im betrieblichen Alltag wurde offen angesprochen. Besonders die elektronische Krankschreibung (eAU) sorgt im Handwerk nach wie vor für zusätzlichen Aufwand statt für Erleichterung. Technische Hürden, fehlende Schnittstellen und neue Prüfpflichten binden Zeit und Ressourcen. Bayern setzt sich daher für eine vereinfachte, zuverlässige und vollständig automatisierte Abfrage ein, die Arbeitgeber entlastet und sie nicht zu „Zwischenprüfern“ sensibler medizinischer Daten macht.
Gefahrstoff- und Asbestvorgaben verhältnismäßig gestalten
Ein weiteres aktuelles Thema war die Gefahrstoff‑ und Asbestregulierung. Geplante und teils bereits verschärfte Vorgaben des Bundes, etwa namentliche Beschäftigtenlisten oder zusätzliche Dokumentationspflichten, treffen kleine Malerbetriebe besonders hart. Nussel machte deutlich, dass Sicherheit selbstverständlich oberste Priorität hat, Regelungen aber verhältnismäßig und praxistauglich bleiben müssen. Wo Standards klar definiert sind, brauche es keine zusätzlichen Gutachten oder redundanten Nachweise.
Bayerische Modernisierungsgesetze
Die Diskussion zeigte insgesamt, dass Bürokratie nicht nur Zeit kostet, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe beeinträchtigt. Viele Handwerksunternehmen berichten, dass sie inzwischen mehr Stunden im Büro als auf der Baustelle verbringen. Die Bayerische Staatsregierung arbeitet deshalb an mehreren Modernisierungsgesetzen, die unter anderem Verfahren vereinfachen, Vergabeschwellen anheben und technische Standards entschlacken sollen.
Digitalisierung muss Arbeitsalltag entlasten
Neben den Bürokratiethemen wurden auch Fachkräftemangel, Digitalisierung und Zukunftstechnologien angesprochen. Digitale Prozesse und Künstliche Intelligenz bieten große Chancen. Zugleich warnte das Handwerk vor neuen Pflichtsystemen, die den Verwaltungsaufwand weiter erhöhen könnten. Nussel stellte klar: Digitalisierung muss vereinfachen, nicht verkomplizieren. Technik soll entlasten und nicht zu neuen bürokratischen Hürden führen.
Die Fachtage machten deutlich, wie wichtig der direkte Austausch zwischen Politik und Praxis ist. Die Anliegen der Betriebe fließen in die weitere Arbeit der Geschäftsstelle Bürokratieabbau ein, insbesondere dort, wo Datenschutz, Arbeitgeberpflichten und technische Vorgaben dringend entschlackt und besser auf die Praxis zugeschnitten werden müssen.

