Praxis-Check Stromnetzausbau identifiziert Beschleunigungspotenziale
30.07.2026
Die Energiewende entscheidet sich nicht allein bei Windrädern, Solaranlagen oder Speichern. Ob der erzeugte Strom dort ankommt, wo er gebraucht wird, hängt maßgeblich von leistungsfähigen Verteilnetzen ab. Gerade sie bilden das Rückgrat einer sicheren und bezahlbaren Energieversorgung. Damit neue Leitungen schneller ans Netz gehen, müssen Genehmigungs- und Verwaltungsverfahren einfacher und effizienter werden.
Vor diesem Hintergrund hat der Beauftragte für Bürokratieabbau der Bayerischen Staatsregierung, Walter Nussel, MdL, zu einem Praxis-Check Stromnetzausbau eingeladen. Vertreterinnen und Vertreter des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz, des Bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr, der Regierung von Mittelfranken, kommunaler Spitzenverbände, des Landratsamts Neustadt a. d. Aisch-Bad Windsheim sowie der Netzbetreiber Bayernwerk und N-ERGIE analysierten gemeinsam konkrete Hindernisse und entwickelten Ansätze für schnellere Verfahren.
Die Regierungspräsidentin von Mittelfranken, Dr. Kerstin Engelhardt-Blum, eröffnete die Veranstaltung gemeinsam mit Walter Nussel und brachte wichtige Erfahrungen aus der Genehmigungs- und Vollzugspraxis in die Diskussion ein.
Energiewende braucht starke Verteilnetze
Verteilnetze bringen die Energiewende in die Fläche. Sie sorgen dafür, dass erneuerbar erzeugter Strom zuverlässig dort ankommt, wo er gebraucht wird. Immer mehr erneuerbare Energie wird dezentral erzeugt und muss zuverlässig in das Stromsystem integriert werden. Gleichzeitig steigt der Strombedarf durch Elektromobilität, Wärmepumpen und die zunehmende Elektrifizierung von Industrie und Gewerbe.
„Ohne leistungsfähige Verteilnetze gibt es keine Energiewende, keine erfolgreiche Elektrifizierung von Wirtschaft und Mobilität und keine sichere Grundversorgung der Menschen. Der Ausbau der Netze entscheidet damit unmittelbar über die Zukunftsfähigkeit unseres Standorts. Deshalb müssen wir dort, wo es rechtlich möglich ist, Verfahren vereinfachen, standardisieren und digitalisieren. Weniger Bürokratie bedeutet hier: schnellerer Netzausbau bei unverändert hohen fachlichen Standards.“, betonte Walter Nussel.
Einheitliche Standards und Digitalisierung sollen Genehmigungen beschleunigen
Im Mittelpunkt des Praxis-Checks stand die Frage, wie sich Genehmigungs- und Abstimmungsprozesse beschleunigen lassen, ohne dabei fachliche Anforderungen oder Schutzstandards abzusenken. Die Teilnehmer waren sich einig, dass insbesondere bei regelmäßig wiederkehrenden Maßnahmen wie Bestandsverstärkungen, Ersatzneubauten oder dem Austausch von Trafostationen erhebliche Potenziale für standardisierte Verfahren bestehen.
Auch bei naturschutzfachlichen Prüfungen wurden konkrete Ansatzpunkte identifiziert. Ziel ist es, erforderliche Unterlagen, Prüftiefen und Abläufe künftig stärker zu vereinheitlichen. Dies soll dazu beitragen, Verfahren für alle Beteiligten transparenter und planbarer zu gestalten.
Die Teilnehmer verständigten sich darauf, digitale Verfahren und eine engere Zusammenarbeit der Behörden gezielt voranzutreiben, um Genehmigungen schneller zu ermöglichen. Eine gemeinsame Wissensplattform sowie gebündelte Stellungnahmen der beteiligten Stellen könnten Genehmigungsverfahren künftig deutlich effizienter machen.
Innovationen direkt in der Praxis testen
Neue Verfahrensansätze sollen nun direkt in der Praxis erprobt werden. Hierfür sollen Pilotprojekte für Ersatzneubauten und Trafostationen genutzt werden. Sie bieten die Möglichkeit, neue Abläufe unter realen Bedingungen zu testen und ihre Praxistauglichkeit zu bewerten.
Zusätzliche Potenziale bieten flexible Netzanschlussmodelle und die konsequentere Nutzung bereits vorhandener Netzkapazitäten. Diese Ansätze können dazu beitragen, bestehende Infrastruktur effizienter einzusetzen und den Netzausbau gezielt zu entlasten.
Praxis-Check zeigt großes Beschleunigungspotenzial
Der Praxis-Check hat gezeigt, dass zahlreiche Verfahren schon heute schneller werden können, ohne dass dafür neue Gesetze erforderlich sind. Ein möglichst einheitlicher, digitaler und praxisnaher Vollzug kann dazu beitragen, den Ausbau der Verteilnetze schneller voranzubringen und gleichzeitig die hohe Qualität der Verfahren zu sichern.
Schnellere Planungs- und Genehmigungsprozesse schaffen die Voraussetzungen dafür, dass notwendige Investitionen rascher umgesetzt und neue Netzkapazitäten schneller verfügbar werden. Für Walter Nussel ist Bürokratieabbau damit ein wichtiger Hebel für Versorgungssicherheit, Wirtschaftskraft und das Gelingen der Energiewende.

