Doppelprüfungen abbauen – Qualität sichern
16.04.2026
Nach zwei Praxis‑Checks zur Novellierung des Pflege‑ und Wohnqualitätsgesetzes sowie dessen Ausführungsverordnung hat der Beauftragte für Bürokratieabbau erneut zu einem Praxis‑Check im Bereich Pflege eingeladen. Diesmal zum Thema „Weniger Doppelprüfungen, mehr Zeit für Pflege“.
Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Pflegeeinrichtungen, Verwaltung, Kommunen und Fachstellen hat der Beauftragte für Bürokratieabbau der Bayerischen Staatsregierung, Walter Nussel, MdL, diskutiert, wie Prüfungen in der Pflege effizienter gestaltet werden können.
Zwei Prüfungen – viel Aufwand im Alltag
Sowohl die Heimaufsicht (FQA; Fachstelle für Pflege- und Behinderteneinrichtungen – Qualitätsentwicklung und Aufsicht) als auch der Medizinische Dienst verfolgen dasselbe Ziel: eine gute und sichere Pflege. In der Praxis bedeutet das für viele Einrichtungen jedoch mehrere Prüfungen mit ähnlichen Inhalten. Das kostet Zeit, bindet Personal und wird als zusätzliche Belastung empfunden.
Im Praxis‑Check wurde deutlich, warum das so ist. Der Medizinische Dienst ist vor allem im Leistungsrecht tätig, die FQA im Ordnungsrecht. Über die Jahre haben sich die Prüfungen jedoch immer stärker angenähert. Das Ergebnis sind Doppelprüfungen, die aus Sicht vieler Beteiligter vermeidbar sind.
Klare Zuständigkeiten statt Doppelarbeit
Gemeinsam mit den Beteiligten wurde ein neuer Ansatz diskutiert, der breite Zustimmung fand:
- Regelprüfungen sollen künftig ausschließlich durch den Medizinischen Dienst erfolgen.
- Die FQA soll sich stärker auf Beratung, Prävention und anlassbezogene Prüfungen konzentrieren, also dort hinschauen, wo es wirklich nötig ist.
- Anlassbezogene Prüfungen sollen klar geregelt und rechtlich präzisiert werden.
- Ein besserer Austausch von Informationen zwischen MD und FQA – perspektivisch auch digital – soll Mehrfachprüfungen vermeiden.
So können Kontrollen gezielter eingesetzt werden. Einrichtungen werden entlastet und die Pflegequalität bleibt gesichert.
Beratung stärken – Vertrauen fördern
„Beratung wirkt“ – dies war ein zentrales Ergebnis des Praxis‑Checks. Viele Teilnehmende berichteten, dass Probleme häufig schneller und nachhaltiger gelöst werden können, wenn Beratung außerhalb formeller Prüfungen stattfindet – auf Augenhöhe und in einer vertrauensvollen Atmosphäre.
Klar ist aber auch, Bürokratieabbau heißt nicht weniger Verantwortung. Freiwerdende Kapazitäten bei den Fachstellen sollen gezielt genutzt werden, um Einrichtungen zu begleiten, zu beraten und frühzeitig zu unterstützen. Die Nähe zur Praxis vor Ort bleibt dabei ein entscheidender Erfolgsfaktor.
So geht es weiter
Die Ergebnisse des Praxis‑Checks bilden nun die Grundlage für die weiteren Schritte. Das Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention arbeitet an einem entsprechenden Gesetzentwurf. Der Beauftragte für Bürokratieabbau begleitet diesen Prozess eng, damit die Erfahrungen aus der Praxis und die konkreten Vorschläge der Beteiligten einfließen.

